Die Geschichte zur Walkmühle
Kurz bevor der Tiefenbach in die Aue mündet, befindet sich die alte
Walkmühle.
Sie ist die letzte in Ihrer Art bei uns im Norden und somit der
letzte Zeuge eines Handwerks, das nur noch die ältesten unserer
Bauern kennen.
Das von den Bäuerin gewebte Zeug wurde zum Walkmüller Hagedorn
gebracht
und bis zu 150 Meter Stoff auf bestimmter Weise zusammengefaltet
und in einem Bottich gewalkt.
Das Walken eines Ballen dauerte etwa sechs Stunden und es wurde je
Meter 10 Pfennige gezahlt.
In den Monaten Mai bis August kamen Weißgerber aus Buxtehude,
Stade, und Harburg um hier ihre Schaf-, Ziegen- und Wildfelle zu
walken. Das Walken und Trocknen der Fälle dauerte etwa drei Wochen.
Zu diesem Zweck entsandten die Weißgerbereien bis zu zehn Gesellen
unter Leitung eines Meister zur Walkmühle. Später waren es nur noch
vier bis sechs und zum Schluss gar nur noch zwei.
Das Ende des Fellewalkens war nach mündlicher Überlieferung
zwischen 1880 und 1890.
Von einem Teil der Gesellen ist der Name und die Herkunft bekannt,
da diese ihr eigenes Gästebuch geschaffen hatten und Ihre Namen in
Zimmerbalken, Zimmertüren und Fenstersimse schnitzten.
So fanden wir z.B.:
Friedrich Buck | aus Rostock | Anno 1735 |
Michael Bihrens | aus Greifswald | Anno 1758 |
Isac Delambre | aus Straßburg | Anno 1735 |
Insgesamt fanden wir über zwanzig Namen.
Noch bis zum Jahre 1907 wurde in der Walkmühle Zeug gewalkt.
Die älteste bekannte Jahreszahl
....findet man in einer Urkunde der Familie Hagedorn von 1664.
Diese besagt, dass der Herr der Herrschaft Harsefeld mit des
Benneken Hagedorn Witwe und dem Gewandtmacheramt zu Stade einen
Vertrag schließt, wonach die Walkmühle auf sieben Jahre gegen
Zahlung von sechzig Mark, in guten gangbaren Gelde, zu zahlen
jährlich auf Johanni, verpachtet wird.
Ludwig Schmidt aus Hamburg
Um 1930 erwachte die alte Mühle zu neuem Leben. Jugendführer Ludwig
Schmidt erkannte den kulturhistorischen Wert und hat in müheseliger
Kleinarbeit mit seinen Gausen neues Leben in die Walkmühle
gebracht.
1931 war sie wieder völlig instand gesetzt.
Leider konnte er seinen Gruppen dieses Heim nicht lange erhalten,
da 1934 die HJ das Heim mit Beschlag belegte. In den Kriegswirren
verfiel die Mühle vollkommen. In den ersten Nachkriegsjahren schien
jegliches Leben bei der Mühle erloschen zu sein.
Neues Leben blüht aus den Ruinen
So die Überschrift im Stader Tageblatt vom 06.06.1953:
"1949 kam wieder Ludwig Schmidt und gab den Anstoß zum Aufbau der
Mühle."
Er riss, in seinem Schwung, alle Jungen des Stammes Harsefeld im
Bund Deutscher Pfadfinder mit und begann die nun vollkommen
zerfallene Mühle wieder aufzubauen.
"Der Einzelne ist nichts, die Gemeinschaft alles!"
So sagte Karl Dammeyer und die Jungen im Alter von 10 - 16 Jahren
fingen an die Mühle in unendlicher Kleinarbeit wieder herzurichten.
Fundament wurden neu hergestellt, es wurde gemauert und gezimmert.
Im Herbst 1950 war der Dachstuhl soweit, dass das Dach mit Stroh
neu gedeckt werden konnte.
Dachstuhl der Walkmühle ausgebrannt
Ein letzter schwerer Schlag traf uns am Nachmittag des 20.Juni
1986.
Der Dachstuhl brannte völlig aus und nur dem schnellen Einsatz der
örtlichen Feuerwehr war es zu verdanken, dass das Feuer sich nicht
auf die unteren Geschoße der Mühle ausbreitete.
Die Walkmühle heute
Wird die Walkmühle regelmäßig von uns Besucht.
Jede Gruppe hat zwei Termine im Jahr und auch der Stammesrat trifft sich dort, um gemeinsam etwas zu unternehmen.
Und jeder der ein Wochenende am rauschendem Bach verbringt, kann,
wenn er ganz still ist, viel von dieser kleinen Geschichte spüren.
Ich jedenfalls bin von diesem Haus gefesselt und freue mich jedes
Mal ein neues Abenteuer zu entdecken.
